10 Gewohnheiten, die den Beckenboden schwächen
Viele Frauen tun täglich Dinge, die ihren Beckenboden unbewusst schädigen, vom falschen Sitzen auf der Toilette bis zum dauerhaften Baucheinziehen. Hier sind die häufigsten Fehler und was du stattdessen tun kannst.
Der Beckenboden ist ein Muskelgeflecht, das auf alles reagiert, was wir täglich tun: wie wir sitzen, atmen, heben und sogar wie wir die Toilette benutzen. Das Gute: Viele beckenbodenschädigende Gewohnheiten lassen sich mit kleinen Korrekturen leicht ändern.
Wichtig vorab
Ein gesunder Beckenboden braucht sowohl Kraft als auch Entspannungsfähigkeit. Die meisten Tipps in diesem Artikel helfen dir, unnötigen Druck und Stress vom Beckenboden zu nehmen. Das ist genauso wichtig wie das Training.
1. Beim Toilettengang pressen
Wenn du beim Stuhlgang presst oder dich anstrengst, erzeugst du enormen Druck auf den Beckenboden. Das wiederholt sich täglich, und über Jahre hinweg kann es die Muskulatur erheblich schwächen und zu Beckenbodensenkungen oder Hämorrhoiden beitragen.
Was du stattdessen tun kannst: Stelle beide Füße auf einen kleinen Hocker oder eine Kiste, sodass deine Knie höher als deine Hüften sind. Diese Hockposition richtet den Darm natürlicher aus und macht Pressen meistens überflüssig. Ausreichend Ballaststoffe und Wasser trinken hilft zusätzlich.
2. Die Blase trainieren: durch zu häufiges oder zu seltenes Urinieren
Zwei entgegengesetzte Fehler schwächen die Blase gleichermaßen: Wer immer sofort geht, trainiert die Blase auf kleine Mengen. Wer stundenlang wartet und die Blase überdehnt, belastet die Beckenbodenmuskulatur dauerhaft.
Was du stattdessen tun kannst: Geh alle 3-4 Stunden auf die Toilette. Wenn du häufiger als 8-mal täglich urinierst oder nachts mehr als einmal aufstehst, kann das ein Zeichen für eine überaktive Blase sein. Sprich mit einer Fachperson darüber.
3. Den Bauch dauerhaft einziehen
Das ständige „Bauch-Einziehen", ob um schlanker zu wirken oder aus einer Art Körperspannung heraus, erhöht den intraabdominalen Druck kontinuierlich und verhindert die natürliche Atembewegung des Zwerchfells. Der Beckenboden, der von unten auf diesen Druck reagiert, wird dadurch dauerhaft angespannt und kann sich nicht mehr erholen.
Was du stattdessen tun kannst: Übe Zwerchfellatmung: Beim Einatmen dehnt sich dein Bauch aus, beim Ausatmen zieht er sich leicht zurück. Lass deinen Bauch atmen. Körperspannung entsteht durch Kraft, nicht durch dauerhaftes Anspannen.
Die Beckenboden-Atemübung
- Lege dich auf den Rücken, Knie angewinkelt, Füße flach auf dem Boden.
- Atme tief in den Bauch, fühl, wie er sich hebt und der Beckenboden leicht nachgibt.
- Beim Ausatmen ziehe sanft deinen Beckenboden nach oben, nicht krampfhaft, sondern fließend.
- Wiederhole 10-mal täglich, am besten morgens.
4. Schwere Lasten falsch heben
Wenn du einen schweren Einkaufskorb, ein Kind oder Gepäck hebst, ohne gleichzeitig auszuatmen und den Beckenboden leicht anzuspannen, trifft der gesamte intraabdominale Druckstoß ungefiltert auf den Beckenboden. Über die Jahre summiert sich das.
Was du stattdessen tun kannst: Merke dir: Ausatmen beim Heben. Beuge die Knie, halte den Rücken gerade und aktiviere leicht den Beckenboden, bevor du die Last anhebst. Klingt mechanisch, wird mit der Zeit zur Gewohnheit.
5. Täglich hohe Absätze tragen
High Heels verändern die gesamte Körperhaltung: Das Becken kippt nach vorne, der untere Rücken überstreckt sich und der Beckenboden gerät in eine dauerhafte Fehlspannung. Das macht ihn nicht stärker. Es erschöpft ihn.
Was du stattdessen tun kannst: Reserviere hohe Absätze für besondere Anlässe. Im Alltag helfen flache Schuhe mit guter Dämpfung und Fußgewölbe-Unterstützung, den natürlichen Beckenbodendruck zu erhalten.
6. Beim Husten und Niesen nicht abfangen
Ein einzelnes Niesen kann kurzzeitig einen Druck von über 100 mmHg auf den Beckenboden erzeugen. Wer täglich hustet oder niest, ohne den Beckenboden leicht vorzuspannen, gibt diesen Druckstoß unkontrolliert an die Beckenbodenmuskulatur weiter.
Was du stattdessen tun kannst: Spanne den Beckenboden eine Sekunde vor dem Niesen leicht an (ein leichtes „Hochziehen"). Dieser Reflex, den Beckenbodenpatientinnen als „Knack-Trick" kennen, kann mit etwas Übung automatisiert werden.
7. Zu viel Koffein und Alkohol
Koffein ist ein direktes Blasenreizmittel: Es erhöht die Harnproduktion, reizt die Blasenwand und senkt die Reizschwelle. Die Blase meldet sich früher und dringlicher. Alkohol wirkt ähnlich und stört zusätzlich die Nervensteuerung der Blasenmuskulatur.
Was du stattdessen tun kannst: Reduziere Kaffee, Schwarztee und Energydrinks auf 1-2 Tassen täglich. Trinke stattdessen ausreichend Wasser (mindestens 1,5-2 Liter). Herbal- und Früchtetees sind in der Regel blasenangenehm.
8. Schlechte Sitzposition für lange Stunden
Wer viele Stunden täglich mit eingeklemmtem Steißbein sitzt, flach auf dem Stuhl oder zusammengesunken, verändert dauerhaft die Stellung des Beckens und belastet die Beckenbodenmuskulatur asymmetrisch.
Was du stattdessen tun kannst: Sitze aufrecht auf den Sitzbeinhöckern, Füße flach auf dem Boden, leichte Lordose im unteren Rücken. Stehe alle 30-45 Minuten kurz auf und bewege dich. Ein Sitzkissen oder ein ergonomischer Stuhl kann helfen.
Schnell-Check: Sitzt du gerade richtig?
- ✓ Füße vollständig auf dem Boden?
- ✓ Knie in etwa auf Hüfthöhe oder leicht darunter?
- ✓ Unterer Rücken leicht nach vorne gewölbt (nicht eingesunken)?
- ✓ Schultern locker und nicht hochgezogen?
- ✓ Kein Druck auf Steißbein oder Oberschenkelrückseite?
9. Chronischen Stress ignorieren
Emotionaler und körperlicher Stress führt zu einem erhöhten Muskeltonus im ganzen Körper, auch im Beckenboden. Ein dauerhaft überaktiver Beckenboden kann genauso Probleme verursachen wie ein schwacher: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blasenprobleme und Verstopfung können die Folge sein.
Was du stattdessen tun kannst: Gezielte Entspannungsübungen für den Beckenboden sind genauso wichtig wie Kräftigung. Yoga, progressive Muskelentspannung und bewusste Atemübungen helfen, chronische Anspannung zu lösen.
10. Hochintensiven Sport ohne Aufbau beginnen
Jumping Jacks, Crossfit, schwere Gewichte: hochintensiver Sport erzeugt erheblichen Druck auf den Beckenboden. Wer nach einer Schwangerschaft, nach einer langen Pause oder mit vorhandenen Symptomen sofort wieder voll einsteigt, riskiert Überlastungsverletzungen und verstärkte Inkontinenz-Symptome.
Was du stattdessen tun kannst: Baue gezielt auf. Beginne mit Gehen, Schwimmen und Beckenbodenübungen. Starte erst dann mit hochintensivem Training, wenn du Übungen ohne Symptome (kein Druckgefühl, kein unfreiwilliger Urinverlust) durchführen kannst. Im Zweifel: professionelle Begleitung holen.
Dein 5-Minuten-Plan für heute
Du musst nicht alles auf einmal ändern. Wähle eine Gewohnheit aus dieser Liste aus und setze sie diese Woche um. Kleine, konsequente Veränderungen haben langfristig den größten Effekt.
- Stelle heute einen Hocker vor deine Toilette.
- Setze einen Alarm alle 30 Minuten, um kurz aufzustehen.
- Ersetze eine Tasse Kaffee durch Kräutertee.
- Übe 5 Minuten Zwerchfellatmung.
- Erinnere dich beim nächsten Niesen, kurz anzuspannen.
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